Industrie

In der Wirtschaft der Woiwodschaft Großpolen spielt die Industrie eine wichtige Rolle. Sie ist Quelle des Lebensunterhalts für etwa ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung und liefert einen großen Teil des in dieser Region erzeugten Bruttoinlandsprodukts.
Charakteristisch ist für die großpolnische Industrie die überwiegende Mehrheit von kleinen und mittleren Unternehmen, deren größter Vorteil in der Mobilität und Flexibilität bei der Anpassung an die Regeln des Handels ist. Im Kampf um die europäischen Absatzmärkte lassen immer mehr solche Firmen die Qualität ihrer Produkte nach dem internationalen System der Qualitätskontrolle ISO prüfen.

Nicht nur Poznań

In der branchenmäßig differenzierten Struktur der Industrie Großpolens überwiegt die Lebensmittelverarbeitungsindustrie. Die Produktion von Lebensmitteln macht fast 26 Prozent des gesamten Verkaufswertes aus. Dieses Ergebnis ist dank der hervorragenden Rohstoffbasis der großpolnischen Landwirtschaft möglich. Zu wichtigen, sich in Entwicklung befindenden Industriezweigen, gehört auch die Herstellung von Kraftfahrzeugen (in den letzten Jahren ist sie praktisch von Grund auf entstanden), die Holzindustrie und holzverarbeitende Industrie (inklusive Möbelherstellung), sowie Produktion von Maschinen und Anlagen. Wichtig ist für die Industrie die Schmelz- und Gießindustrie, die Pharmaindustrie, Beleuchtungsindustrie, Haushaltswaren-, Keramik-, Glas-, Kunststoffindustrie für das Bauwesen, Reifen- und Bekleidungsindustrie – die meisten von ihnen sind in Großpolen durch in Polen bekannte Marken und große Firmen mit anteiligem ausländischen Kapital vertreten. 2007 betrug der Verkaufswert in der Industrie der Woiwodschaft ca. 89,5 Mrd. Zloty, was ca. 10,7% der verkauften Industrieerzeugnisse des ganzen Landes ausmachte und die Woiwodschaft Großpolen auf den dritten Platz, nach den Woiwodschaften Masowien und Schlesien brachte. Der Verkauf der Bau- und Montageproduktion betrug hingegen etwa 67,4 Mrd. Zloty, d.h. 10,4% im Landesmaßstab. In der Verkaufsstruktur dominierte die Produktion (83,9 Mrd. Zloty). Vor allem war es die Lebensmittel- und Getränkeproduktion (24,2 Mrd. Zloty), Kraftfahrzeugproduktion, samt Anhänger und Aufhänger (13 Mrd. Zloty), Möbelherstellung (6,2 Mrd. Zloty), Produktion von Gummi- und Kunststofferzeugnissen (5,5 Mrd. Zloty), Elektromaschinen und -geräte, (5,4 Mrd. Zloty), von Metallerzeugnissen (4,87 Mrd. Zloty), Maschinen und Anlagenbau (4,64 Mrd. Zloty) und Herstellung von chemischen Erzeugnissen (3,6 Mrd. Złoty). Wichtig ist für die großpolnische Wirtschaft ebenfalls der Abbau von Braunkohle, das Hüttenwesen und Stromerzeugung in der Gegend von Konin.

Die Verteilung der Produktionsbetriebe ist in Großpolen nicht gleichmäßig. Zu den bekanntesten Industriezentren Großpolens gehören Städte, wie Poznań, Kalisz, Ostrów Wielkopolski, Konin, Piła und Leszno. Kleinere Industriezentren sind in einem Teil der Kleinstädte zu finden, u.a. in Gniezno, Września, Jarocin, Krotoszyn, Środa Wielkopolska, Kościan, Wolsztyn, Szamotuły, Nowy Tomyśl, Oborniki, Kępno, Koło und Turek sowie in Wronki, Czarnków, Chodzież, Trzcianka und Wągrowiec.
Über höchstes industrielles Potential verfügt Poznań und seine Umgebung. Vorherrschend ist hier die Lebensmittel- und Kraftfahrzeugindustrie, des Weiteren Maschinen- und Anlagenbau sowie chemische Industrie. Ein Symbol für die Poznaner Industrie sind die Metallverarbeitungsbetriebe „H. – Cegielski – Poznań“, die auf eine über 150-jährige Tradition zurückblicken. Poznań wird auch mit solchen Betrieben und Firmen, wie Centra, Zakłady Metalurgiczne „Pomet”, Stomil und Volkswagen in Verbindung gebracht. Bekannteste Lebensmittel- und Genussmittel herstellende Firmen sind: Kompania Piwowarska (Bier-Company), Jutrzenka, Fleischbetriebe „Pozmeat”, Wyborowa und Imperial Tobacco Polska.

Von Winiary bis zu LOB-Türschlössern

Zweitgrößtes Industriezentrum Großpolens ist nach Poznań der Großstadtraum Kalisz-Ostrów. Die hier vorherrschende Lebensmittelindustrie repräsentierten der Kaliszer Betrieb für Lebensmittelkonzentrate „Winiary”, die Konditoreibetriebe „Kaliszanka” und die Kühlbetriebe „Augusto”. Wichtig ist auch die Textil- und Bekleidungsindustrie, wie z.B. Gardinen- und Spitzenfabrik „Haft”, Betrieb für Seidenindustrie „Wistil” und die Fabrik für Fellerzeugnisse „Runotex”. In Kalisz werden auch Flugzeugmotoren und Klaviere und Pianos der Marke „Calisia” hergestellt. Ostrów Wielkopolski gilt hingegen dank den Betrieben für Industrieautomatik ZAP als ein wichtiges Zentrum der Elektromaschinenindustrie.
In Konin wird Braunkohle abgebaut, wodurch die Elektrizitätswerke Pątnów I und II – Adamów – Konin gespeist werden. Die in ZE PAK erzeugte Energie macht etwa 10 Prozent der in ganz Polen erzeugten Stromenergie aus und beträgt 2288 MW. Darüber hinaus gibt es in Konin die einzige Aluminiumhütte in Polen. Landesweit bekannt ist auch die Fabrik für Anlagenherstellung für den Braunkohlenabbau „Fugo”, wo Stahlkonstruktionen, Maschinenteile und Stahlabgüsse produziert werden. Die Lebensmittelverarbeitungsindustrie spielt in dieser Gegend kaum eine Rolle. Weniger industrialisiert sind die Städte Piła und Leszno, trotzdem produzieren die hier ansässigen Firmen viele Waren, die auch außerhalb der Region bekannt sind. In Piła ist es die Firma Philips Lighting Poland – Hersteller von Glühbirnen und Leuchten. Die Firma gehört zu den ersten Unternehmen in Polen mit Anteilen ausländischen Kapitals.
In der Stadt Leszno, die in Polen vor allem für die hohe Kultur des landwirtschaftlichen Anbaus bekannt ist, herrscht die Lebensmittelverarbeitungsindustrie vor, deren bekanntester Vertreter der Betrieb für Fermentierte Erzeugnisse „Akwawit” ist, wo ein großer Teil der polnischen Produktion von Milchsäure abgewickelt wird. Es gibt hier auch Firmen aus der Metall- und Maschinenbranche, u.a. die Pumpenfabrik Leszno und „Metalplast” LOB – Hersteller von Türschlössern, Beschlägen, Türen und Toren.

Wissenswert

Vom hohen Niveau und von den vielen Möglichkeiten der Industrie Großpolens zeugt die Tatsache, dass viele der hier hergestellten Produkte sowohl im In- als auch im Ausland bekannt sind. Zu nennen sind: Schiffs- und Flugzeugantriebe, Waggons, Metallbearbeitungsmaschinen, Forstmaschinen und -geräte, Maschinen für Landwirtschaft, Bergbau und Bauwesen, Kugellager, LKW-Reifen, Akkumulatoren, Batterien, Glühbirnen und Leuchten, Lautsprecher, Farben, Kunstdünger, Arzneimittel, Fleischprodukte, Lebensmittelkonzentrate, Schokoladenerzeugnisse, Bier, Wohnungsausstattung, Tischkeramik, Pianos, Kleidung und Textilien. 

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